Kredite in Osteuropa in Euro-Währung und Schweizer Franken

Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion haben die osteuropäischen Staaten ein sehr beeindruckendes Wachstum erzielen können. Zwar ist der wirtschaftliche Erfolg bisher, misst man nach europäischen Maßstäben, eher überschaubar und auch regionale Unterschiede gibt es in großem Maße, alles in allem ist Osteuropa jedoch auf einem guten Weg zu wirtschaftlichem Wohlstand.

(www.zinsentwicklung.net) Zumindest bis jetzt, denn durch die globale Wirtschaftskrise ist auch die osteuropäische Wirtschaft sehr stark in Mitleidenschaft gezogen worden - vielleicht sogar stärker als die europäische, einfach weil sie noch wesentlich schwächer und somit krisenanfälliger ist.

Ein Zusammenbruch der osteuropäischen Wirtschaft kann aber in erheblichen Maße auch auf die zentraleuropäische Wirtschaft ausstrahlen - und das weniger aufgrund der bilateralen Beziehungen, als aus Gründen der Verknüpfungen der Finanzmärkte. Im Großen und Ganzen ist es nämlich so, dass, gerade in Osteuropa, sehr viele Kredite nicht in den heimischen Währungen, sondern in Euro oder auch in Schweizer Franken vergeben wurden. Die Gründe für diese Maßnahme waren vor allem in mangelndem Zutrauen in die heimischen Währung und in große Unterschiede im Währungswert der eigenen Währung zu finden. Eines nämlich muss man dem Euro und auch dem Schweizer Franken lassen - sie sind stabil und zuverlässig. Gerade Kreditnehmer wissen daher ganz genau, was sie an diesen Währungen haben.

Wenn nun die Kredite fällig werden, müssen diese in Schweizer Franken oder eben Euro beglichen werden, verliert die eigene Währung im Land des Kreditnehmers jedoch erheblich an Wert, kann es durchaus sein, dass dieser sich eine Rückführung der Kredites nicht mehr leisten kann. Fallen die Kredite jedoch aus, so kann es zu erheblichen Auswirkungen auf die Geldwertstabilität des Euro oder eben des Schweizer Franken kommen. Hinzu kommt, dass sich viele zentraleuropäische Banken sehr stark auf dem osteuropäischen Markt engagiert haben, weil sie sich frühzeitig Anteile an diesem Wachstumsmarkt sichern wollten. Sicherlich ist die Wachstumsstory Osteuropas nun nicht komplett aufgehoben - diese Vermutung wäre definitiv zu früh - jedoch hat die Euphorie einen starken Dämpfer bekommen.

Einmal mehr wird sich deshalb in den kommenden Monaten und vielleicht Jahren herausstellen, wie geschickt die europäischen Banker agiert haben und wo man sich vielleicht doch das eine oder andere "faule Ei ins Nest gelegt" hat.

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