Über Baugeld und die Geschäfte mit der Angst

In dem Focus-Artikel „Fragwürdige Geschäfte mit der Angst der Bauherren“ vom 10.11.2009 wird von der Autorin Melanie Rübartsch die derzeitige Situation am Markt der Immobilienfinanzierungen dargestellt. Sie führt aus, dass die zukünftigen Immobilienbesitzer durch die derzeitige Niedrigzinssituation und den Angeboten der Banken verunsichert sind.

In der Folge der Finanzkrise gibt es eine Vielzahl an günstigen Immobilienangeboten, sei es durch Zwangsversteigerungen, sei es durch besondere Angebote verschiedener Städte und Gemeinden. Es ist vorauszusehen, dass das Zinsniveau sich in nächster Zukunft nicht auf dem derzeit sehr niedrigen Niveau halten wird. Um Kunden, die ein ausgesprochen hohes Sicherheitsbedürfnis haben und den üblicherweise durch ein normales Hypotheken- oder Bauspardarlehen auf 15 Jahre gesicherten Zinssatz auch darüber hinaus absichern möchten, bieten Banken sogenannte vorfinanzierte Bausparverträge an. Bei einer Kombination dieser Darlehensvariante mit Wohn-Riester versprechen die Banken höchstmögliche Absicherung der derzeitigen Darlehenszinsen.

Dieser Darstellung der Banken wird in dem Artikel von Frau Rübartsch unter anderem der Kommentar eines Finanzexperten der Verbraucherzentrale Bremen gegenüber gestellt. Er vertritt die Auffassung, dass die Banken und Bausparkassen nicht die tatsächlichen Kosten für einen Kredit über die Gesamtlaufzeit widerspiegeln. Nach seiner Auffassung ist trotz der guten Argumentation der Kreditgeber unbedingt eine Gegenüberstellung eines vorfinanzierten Bausparvertrages und eines Annuitätendarlehens unumgänglich. Meist würde sich dann erweisen, dass ein Annuitätendarlehen günstiger wird.

Für die Banken ist ein vorfinanzierter Bausparvertrag ein einträgliches Geschäft. Verdienen sie doch zusätzlich zu den Darlehnszinsen durch die Vermittlungsprovision bei Abschluss eines Bausparvertrages. Daher ist klar, warum die Banken gerne Angst vor steigenden Zinsen in den nächsten Jahren schüren. In dem Focus-Artikel wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass schließlich niemand die Zinsentwicklung der nächsten 15 oder 20 Jahre vorhersehen kann. Es gibt Prognosen, aber sowohl in Richtung höhere wie auch moderatere Zinssteigerungstendenzen. Letztlich sollte der zukünftige Immobilienbesitzer seine individuelle Situation als wichtigstes Entscheidungskriterium zu Grunde legen und nicht mögliche Entwicklungen, von denen heute noch niemand ahnen kann, welchen Einflüssen sie unterliegen.

Die Vorfinanzierung eines Bausparvertrages hört sich verlockend an. Letztlich wird aber in der Regel der größere Gewinn bei den Banken bzw. den Bausparkassen liegen. Bei dieser Darlehensvariante zahlt der Darlehensnehmer Zinsen bis der Bausparvertrag die meist bei 40 Prozent der Bausparsumme liegende Mindestansparhöhe erreicht hat. Zusätzlich aber auch Zinsen für die Vorfinanzierung auf den Gesamtbausparbetrag bis zur Zuteilungsreife. Eine Darlehenstilgung findet nicht statt. Bei einem Annuitätendarlehen aber schon vom ersten Tag an.

In dem Focus-Artikel wird ausdrücklich immer wieder darauf hingewiesen, dass der Kunde unbedingt das Annuitätendarlehen und das Kombidarlehen mit einander vergleichen sollte, um herauszufinden, ob es sich hierbei für ihn tatsächlich um einen Vorteil handelt. In einer ausführlichen Beispielrechnung werden beide Varianten gegenüber gestellt und dadurch verdeutlicht, dass das Annuitätendarlehen sich wirklich besser darstellt als die Vorfinanzierung eines neu abzuschließenden Bausparvertrages.

Im letzten Teil des Artikels wird den zukünftigen Bauherren noch einmal ausdrücklich nahe gelegt, den Darlehensberatern gegenüber selbstbewusst aufzutreten und eine genaue Aufrechnung für beide Darlehensformen, auf die individuellen Belange des Kunden abgestimmt, zu verlangen. Der Artikel ist sehr informativ und gibt viele Argumente an die Hand, gut vorbereitet in die Verhandlungen über ein Darlehen eintreten zu können.

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